Klang Köln e.V.

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Der etwas andere Liederabend…

Domforum Köln, Domkloster 3, 50667 Köln

11.4.2018, 19.30 Uhr

Wer bei einem Liederabend mit Gesang und Klavier an biedermeierliche, leicht verstaubte Beschaulichkeit denkt, kann erleben, dass die vermeintlich veraltete Besetzung auch heute unterhaltsam, witzig, tiefsinnig und provokant zu sein vermag.

Die Kölner Komponisten Ralf Soiron, Stefan Thomas und Christoph Maria Wagner stellen in diesem Projekt ihre neuesten Werke der Gattung Klavierlied vor – und man darf gespannt sein, wie sie mit den Texten von Hermann Broch, Robert Gernhard und Charles Bukowski umgehen.

Charles Bukowskis Gedichte sind wie komprimierte Kurzgeschichten: lapidar auf den Punkt gebracht. Diese vermeintliche „ Kunstlosigkeit” und Direktheit hat Christoph Maria Wagner angesprochen – und die Tatsache, dass es in seinen Gedichten ganz häufig um Dinge geht, die sonst in klassischen Liederabenden eher nicht thematisiert werden… Um diese Direktheit noch zu steigern, hat Wagner die deutschen Übersetzungen von Carl Weissner vertont. Auch seine Tonsprache zielt häufig auf unmittelbare „plebejische“ Direktheit. Die ersten fünf Songs schwanken zwischen Sarkasmus und Melancholie, das bei weitem und ganz bewusst längste letzte Lied schlägt einen ungleich dunkleren Tonfall der Hoffnungslosigkeit an.

Hermann Broch war ein Dichter, der stets zwischen allen Stühlen saß, der sich nicht einordnen lassen wollte in die Schubladen Traditionalismus, Moderne oder wie auch immer sie heißen mögen. Ralf Soiron ist seit langem fasziniert von dieser Haltung und vom Werk des Dichters, das erst seit kurzem wiederentdeckt wird.

Soirons Lieder des Bewusstseins sind nicht nur von der Beschäftigung mit den vertonten Autoren und Autorinnen, sondern auch von seiner damaligen Auseinandersetzung mit dem Denken des Philosophen Ken Wilber und dessen Theorie der Bewusstseinsebenen geprägt.

Robert Gernhardt  ist seit langem vor allem als humoristischer Lyriker bekannt. Dabei greift seine Lyrik wohl genauso häufig relevante Fragen auf wie die seiner „ernsten“ Kollegen – und seine Antworten fallen durchaus nicht weniger originell aus. Dass Neue Musik und Humor durchaus zueinander passen können, zeigt Stefan Thomas in seinem neuesten Werk.

 

Programm

Ralf Soiron                             Lieder nach Gedichten von Hermann Broch (2017)

(*1967)                                   Heft 1 (vor Kriegsausbruch) für Bariton und Klavier

(1. Nachtwiese im September, 2. Nachtgewitter, 3. Lago maggiore)

 

Christoph Maria Wagner        Bukowski-Songs (2017) (UA)

(*1966)                                   für Bariton und Klavier

(1. Das qualmende Auto, 2. Toter Schwan, 3. Diese öden Scheisser, 4. Ein Poet, 5. Lyrikwettbewerb, 6. Die Hölle ist ein einsamer Ort)

 

Ralf Soiron                             Lieder des Bewusstseins (2005)

(*1967)                                   für Frauenstimme und Klavier

(1. Nacht (Georg Heym), 2. Gebet (Elke Lasker-Schüler), 3. Form ist Wollust (Ernst Stadler), 4. Auferstehung (Luise Keaschnitz), 5. Götterdämmerung (Günter Kunert))

 

Stefan Thomas (*1968)          Lieder nach Texten von Robert Gernhardt (2017) (UA)

(1968*)                                   für Sopran und Klavier

 

Christoph Maria Wagner        Märchen (2017) (Friedrich Rücker) (UA)

(*1966)                                   für zwei Sänger und drei Pianisten

 

Anna Herbst, Sopran; Peter Paul, Bariton

Ralf Soiron, Stefan Thomas und C. M. Wagner, Klavier